Kastration bei der Hündin ja oder nein ?

Kastration/Sterilisation bei der Hündin

Eine Information Ihres Tierarztes

 Kastration bei der Hündin  ja oder nein ?

Zuerst möchte ich erklären, was Kastration bedeutet. Bei dieser Operation werden die Eierstöcke und die Gebärmutter bis zum Gebärmuttermund entfernt.

Eine teilweise Kastration durch Abbinden der Eierstöcke, wie dies in der Humanmedizin zur Empfängnisverhütung praktiziert wird, ist bei der Hündin wegen der Gefahr einer Gebärmuttervereiterung nicht ratsam.

Vorteile der Kastration:

- Die Hündin wird nie mehr läufig.

- Durch die hormonelle Ruhigstellung kommt es nicht mehr zur Scheinträchtigkeit mit Anschwellen des Gesäuges und leicht- bis hochgradiger Milchsekretion.- Der Brustdrüsentumor tritt nach der Kastration fast nicht mehr auf.

Die immer wieder gefragten Nachteile:

- Bei ca. 5% der kastrierten Hündinnen kommt es innerhalb der ersten zwei Jahre nach der Operation zumunwillkürlichen Harnträufeln. Die Ursache ist unbekannt. Eine rassebedingte Disposition ist beobachtet worden. Es neigen dazu größere Hündinnen ab 20 Kg Körpergewicht und interessanterweise glatthaarige, kurzhaarige Rassen, wie zum Beispiel der Dobermann.Durch eine medikamentelle Behandlung mit Oestrogenen der Ephedrin ist dieses Problem leicht aus der Welt zu schaffen

- Die bei manchen Hündinnen auftretenden Gewichtsprobleme können, wie auch beim Menschen, durchgesteigerte Bewegung und kalorienbewußte Nahrung behandelt werden.

- Bei langhaarigen Hündinnen wird manchmal nach der Kastration ein übermäßiges Wachstum der Wollhaarebeobachtet. Ebenso kommt es manchmal zum symmetrischen Haarausfall, der wie der vermehrte Haarausfall durch Oestrogengaben geheilt werden kann.

Da diese Komplikationen äußerst selten sind, spricht eigentlich meiner Meinung nach nichts gegen eine Kastration der Hündin.

Wann muß unbedingt kastriert werden?

- beim Mammatumor, weil es sonst an den verbleibenden Mammakomplexen wieder zu einer Neubildung von Tumoren kommt.

- Gebärmuttertumor

- Eierstocktumoren sowie Zysten am Eierstock

- chronische Gebärmutterentzündung

- Gebärmuttervereiterung

- beim Leistenbruch kommt es meist zum Einklemmen eines Gebärmutterhornes in den Bruchsack, speziell bei der trächtigen Hündin.

- Fehldeckung mit einem zu großen Rüden.

Weitere Fragen:

Soll eine Zuchthündin, die aus Altersgründen nicht gedeckt wird, kastriert werden?

Grundsätzlich ja, weil die Entstehung des Mammatumors und der Gebärmutterentzündung im Alter größer sind.

Warum kann bei der Hündin nicht, wie in der Humanmedizin, durch Dauerhormongabe die Läufigkeit verhindert werden?

Die Gebärmutter der Hündin ist viel empfindlicher gegenüber Hormongaben als bei der Frau. Meist kommt es schon nach kurzer Zeit zur Gebärmutterentzündung und im Gefolge zur gefürchteten Gebärmuttervereiterung.

Eine Unterbrechung oder Verschiebung der Läufigkeit ist aus denselben Gründen wie oben beschrieben nicht ratsam.

Ist es notwendig, daß eine Hündin einmal gedeckt wird und Junge bekommt?

Nein, diese These ist durch nichts erklärbar.

Zeitpunkt der Kastration:

In den anglikanischen Ländern wird die Hündin schon vor der ersten Läufigkeit kastriert. Als Vorteil wird beschrieben, daß die Hündinnen kleiner bleiben und das „kindliche Gemüt“ behalten sollen. Da diese Hündinnen auch nie scheinträchtig sind, ist das Entstehen eines Mammatumores fast ausgeschlossen. Bei uns in Mitteleuropa wird immer erst die Läufigkeit abgewartete, weil die Hündin dann meistens auch ausgewachsen ist. Der richtige Kastrationszeitpunkt ist dann die Zeit zwischen den Läufigkeiten.

Nun zur Operation:

Jeder gut ausgerüstete Kleintierpraktiker beherrscht die Operation routinemäßig. Der Hautschnitt ist dabei nicht länger als 10 cm und die Hündin ist meist schon am nächsten Tag beschwerdefrei.

Bis zur Nahtentfernung nach 10 Tagen sollte sie an der Leine geführt und am „Schlecken“ der Naht gehindert werden. Dies kann durch Schutzverbände oder Halskrausen verhindert werden. Meist ist es aber nicht notwendig und die Hündin fühlt sich kurz nach der Operation völlig gesund. Also keine Angst vor der Operation. Sie haben nachher eine gesunde „problemlose“ Hündin, die noch dazu vor einigen gynäkologischen Krankheiten geschützt ist.

(Quelle: Dr. Hans Hutter, aus „ Der Terrier“10/95)